Franken im Kanister
Warum gibt eine Notenbank seit bald 3 Jahren Zentralbankgeld auf einer Blockchain aus, das wenig genutzt wird, und warnt zugleich vor privaten Franken-Token, die zusammen keine 40 Mio. CHF wert sind? Petra Tschudin, eines von 3 Mitgliedern im Direktorium der Schweizerischen Nationalbank (SNB), hat Ende September beides vertreten: Große Stablecoins außerhalb des zweistufigen Bankensystems erschwerten die Geldpolitik, Regeln müssten der Notenbank ihren Einfluss sichern.
Das Blockchain-Geld des Projekts Helvetia dürfen nur Finanzinstitute mit SNB-Vertrag halten. Es bleibt auf der ersten Stufe, wo die SNB die Banken versorgt und diese ihre Kunden. Ein Stablecoin überspringt die Stufe: Sein Halter hat eine Forderung gegen einen privaten Emittenten, der die Reserven anlegt, wo das Gesetz es zulässt.
Geldpolitik wirkt wie der Druck in einer Wasserleitung. Die SNB stellt ihn am Reservoir ein, die Banken tragen ihn als Hypotheken- und Sparzins bis zum Schreiner in Winterthur. Ein Stablecoin ist ein abgefüllter Kanister: Sein Halter bekommt keinen Zins, ob die SNB senkt oder erhöht, den Ertrag behält der Emittent. Tether hat so im 2. Quartal rund 1,5 Mrd. USD operativ verdient, vor allem mit 115 Mrd. USD in US-Schatzwechseln.
Von gut 300 Mrd. USD Stablecoins lauten fast alle auf Dollar, 60% stammen von Tether, 2,4 Mrd. USD von World Liberty Financial, dem Kryptohaus der Familie Trump. US-Finanzminister Scott Bessent rechnet mit 2 Bio. USD bis 2028 und erwartet offen neue Käufer für seine Schatzwechsel, eine Anleiheauktion im Kostüm des Zahlungsverkehrs, bezahlt von Sparern in Lagos oder Buenos Aires, die vor ihrer Inflation fliehen und Washingtons Defizit tragen, Exportförderung, nur mit Schulden. Die 2 Bio. USD wird der Markt 2028 nicht zur Hälfte erreichen.
Das Europaparlament hat im Juli mit 416 zu 169 Stimmen den Weg für einen staatlichen Kanister geebnet, den digitalen Euro, den die EZB frühestens 2029 ausgeben will, mit Obergrenze pro Kopf aus Angst vor dem Einlagenabfluss, den sie selbst auslösen würde. Die Schweizer Regierung ist langsamer, ihr Stablecoin-Gesetz geht frühestens in diesem Halbjahr ans Parlament. Die Richtung stimmt: Ausgeben sollen nur zugelassene Institute mit abgesonderten Reserven, und UBS, PostFinance und 4 weitere Banken testen bereits einen gemeinsamen Franken-Token.
Steht das Geld in Kanistern, kann eine Notenbank ihren Zins verschieben, so oft sie will: Sie regelt den Druck in leeren Rohren. Wer abfüllt, entscheidet, wohin die Reserven fließen, derzeit vor allem in amerikanische Schatzwechsel. Eine Währung gehört dem, der den Druck in ihren Leitungen regelt. Bern legt erst die Leitung und lässt dann Kanister zu. Ob die Reihenfolge hält, wenn ein Franken-Token aus Delaware schneller wächst als das Gesetz, ist offen.
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