Zwei Sätze für den Franken
Wie viel Vertrauen verdient eine Währung, die man eigens in die Verfassung schreiben muss? Am 8. März haben 73,4% der Schweizer Stimmenden und sämtliche Kantone einem Gegenentwurf der Regierung zugestimmt, der zwei Sätze in die Bundesverfassung einfügt: Der Franken ist die Währung der Schweiz, und die Bargeldversorgung ist gewährleistet. Die schärfere Volksinitiative «Bargeld ist Freiheit» scheiterte mit 54,4% Nein. Am Alltag ändert das nichts, aber ersetzen lässt sich der Franken künftig nur noch mit dem Segen von Volk und Kantonen.
Seit Dezember 2023 gibt die Nationalbank auf der Plattform der Börsentochter SDX echtes digitales Zentralbankgeld aus, allerdings nur an Banken. Der Pilot «Helvetia» läuft nun bis mindestens Mitte 2027 und wurde um eine Anbindung an das klassische Interbankensystem SIC erweitert. Einen digitalen Franken für Privatkunden will die SNB nicht, weil er den Geschäftsbanken die Einlagen abziehen würde.
Im Privatkundengeschäft testen UBS, Postfinance, Raiffeisen, die Zürcher Kantonalbank, die Waadtländer BCV und Sygnum mit der Swiss Stablecoin AG den CHFD, inzwischen gemeinsam mit SIX und der Bezahl-App Twint, bis Ende 2026. Der Bundesrat, die Schweizer Landesregierung, will Stablecoin-Emittenten künftig als «Zahlungsmittelinstitute» lizenzieren, zwingt Banken dafür aber in eine eigene Tochtergesellschaft, eine Pedanterie, die außer den Juristen im Finanzdepartement niemand erklären kann.
Trump hat im Januar 2025 jeden digitalen Zentralbankdollar per Dekret verboten und ein halbes Jahr später mit dem GENIUS Act den privaten Dollar-Token ein Gesetz geschenkt. Im August waren rund 308 Mrd. $ an Stablecoins im Umlauf, fast alles in Dollar, und Tether wie Circle frieren Adressen auf Zuruf amerikanischer Behörden ein, womit die Extraterritorialität, die Schweizer Banken seit dem Steuerstreit kennen, in jede Wallet zwischen Lagos und Lugano wandert.
Im Juni hat der Wirtschaftsausschuss des Europaparlaments nach drei Jahren Stillstand den digitalen Euro gebilligt, zinslos, mit Haltelimit pro Kopf, Erstausgabe frühestens 2029. Piero Cipollone im EZB-Direktorium preist die Autonomie, gebaut wird ein Geld, das vor allem die Banken vor zu viel Zentralbankgeld schützen soll. Der Trilog wird bis Jahresende nicht abgeschlossen sein.
Die Schweiz verteilt die Arbeit anders, das Volk sichert das Bargeld, die SNB digitalisiert den Großhandel, die Banken experimentieren auf eigene Rechnung, und vermutlich wird die SNB Helvetia im kommenden Sommer dauerhaft machen, lange bevor der erste digitale Euro fließt, während der CHFD nur überlebt, wenn er im Ausland gegen den Dollar antritt und nicht im Inland gegen Twint, also dort, wo ein Franken-Token wenigstens nicht auf einen Anruf aus Washington hin eingefroren wird.
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