Nichts zu verzollen

Von Die Redaktion · Veröffentlicht am

Was verzollt ein amerikanischer Zöllner, wenn das teuerste Schweizer Start-up des Jahres keine Kiste über die Grenze schickt? 1,1 Mrd. EUR haben Schweizer Technologiefirmen im ersten Halbjahr 2026 aufgenommen, zwei Drittel davon in 10 Runden. Die größte ging an Kandou: 225 Mio. USD für Kupferverbindungen zwischen KI-Chips, angeführt von Maverick Silicon aus Dallas, mit Synopsys und Cadence als Investoren. Kandou entwirft in Lausanne, lässt in Asien fertigen und verkauft an amerikanische Hyperscaler. An einem Schweizer Zollposten kommt dieses Produkt nie vorbei.

Es gibt zwei Schweizer Exportwirtschaften. Die eine schickt Maschinen, Uhren und Pharma über den Atlantik und zahlt seit dem 24. Juli 2026 den Zoll von 12,5%, den Greer mit angeblich fehlenden Importverboten für Zwangsarbeitsprodukte begründet, eine Begründung, die er selbst kaum zwei Sätze durchhält. Die andere hat das Kapital des Halbjahres eingesammelt und exportiert nichts, was man anfassen könnte.

Terralayr in Zug: 192 Mio. EUR unter Führung von Eurazeo, für Batteriespeicher, die in Deutschland stehen. Acutronic: 25 Mio. USD aus den USA, Kleintriebwerke aus der Fabrik in Texas. SWISSto12: 73 Mio. EUR von der ESA für Satelliten im Orbit. Trumps Zoll trifft den Werkzeugmacher im Jura und findet bei den Firmen, die Dallas und Paris finanziert haben, nichts zu verzollen.

Die Branchenstatistik zählt 324 Mio. CHF für Hardware, ein Rekord, während das Gesamtvolumen um 15,5% fiel, weil die Basler Biotech-Runden ausblieben. Das Geld ist zu Dingen gewandert, die in der Fertigung teuer sind, und die Fertigung steht in Asien, Texas oder Niedersachsen. In der Schweiz bleiben Entwurf, Patente, Ingenieure und die Eigentümerstruktur, ein Knoten, kein Block. Weniger, als der Standort gern hört, mehr, als ein Zoll erreicht.

Kandou wird nach der Runde mit 400 Mio. USD bewertet, und wer Synopsys und Cadence unter den Aktionären hat, hat die Käuferliste mitgeliefert. Kandou wird vor Ende 2027 an einen amerikanischen Halbleiterkonzern verkauft, die Schlagzeile wird lauten, die Schweiz habe ein Kronjuwel verloren, obwohl bei diesem Verkauf nichts über eine Grenze geht, das Design in Lausanne bleibt und der Vorgang seit Jahren angelegt war, was in keine Überschrift passt.

Von der Leyen hat im August ihren Scaleup Europe Fund für operativ erklärt, 5 Mrd. EUR Zielgröße, verwaltet von EQT, damit das Beste Europas Europa wähle. Keine der 10 größten Schweizer Runden hatte einen Kommissionsfonds an der Spitze. Wachstumskapital hängt für ein Schweizer Unternehmen nicht an einem europäischen Fonds. Wert, der keinen Zollposten passiert, lässt sich weder in Washington besteuern noch in Brüssel festhalten. Er folgt den Ingenieuren, und die sitzen in Lausanne und Zug, weil dort das Recht seit Jahrzehnten niemanden überrascht.

Zuerst erschienen in der Ausgabe vom 28 septembre 2026

Der Newsletter Schweizer Denken, globale Perspektive.

Kostenlos · kein Spam · Abmeldung mit einem Klick