⚽ Zwei Schweizer, ein Thron
Die FIFA wählt im März zwischen zwei Eidgenossen. Das Amt, um das sie streiten, würde sich die Schweiz selbst nie zumuten.
Wer seine Wähler mästet, muss sie nicht überzeugen. Jeder Bankier hat Aufsichtsräte erlebt, deren Mitglieder vom Vorstand Beratermandate bekamen: Sie nickten alles ab, bis zum Konkurs. Nach diesem Muster funktioniert die FIFA, und im März streiten zwei Schweizer um ihre Spitze. Ramon Vega, 55, früher Nationalspieler, heute Vermögensverwalter, fordert Gianni Infantino heraus, den Amtsinhaber aus Brig im Oberwallis. Bis zum 18. November braucht Vega die Unterstützung von fünf der 211 Mitgliedsverbände. 2019 bekam er sie nicht. Diesmal entzog selbst der Schweizerische Fußballverband dem eigenen Landsmann Ende September die Zusage für die Wiederwahl.
Im Juli wollte Infantino gut ein Fünftel einer neuen, auf 20 Mrd. $ bewerteten Gesellschaft zur Vermarktung der Weltmeisterschaften für 4,2 Mrd. $ an Investoren verkaufen. Hauptinvestor sollte die Holding von Joshua Kushner werden, dem Bruder von Trumps Schwiegersohn. Jedem der 211 Verbände bot Infantino einmalig bis zu 20 Mio. $, statt der 8 Mio. $, die für die vier Jahre 2027 bis 2030 vorgesehen waren. 211 Schecks zu 20 Mio. $ ergeben 4,22 Mrd. $, beinahe den gesamten Erlös. Er bot ihnen, was ein Organhändler bietet: Bargeld auf die Hand für ein Stück vom eigenen Leib. Die Kontinentalverbände Europas, Asiens sowie Nord- und Mittelamerikas verweigerten die Operation, Europa voran: Die Weltmeisterschaft gehöre nicht der FIFA, sie könne sie also nicht verkaufen. Der Plan war nach wenigen Tagen tot. Sein Urheber nicht.
Angetreten war Infantino 2016 als Reformer. Am Tag seiner Wahl begrenzte der Kongress die Präsidentschaft auf drei Amtszeiten zu vier Jahren. Ende 2022 befand der FIFA-Rat, Infantinos erste drei Jahre zählten nicht. Eine vierte Amtszeit brächte ihn auf 15 Jahre. So verdaut der Apparat seine Reformer: Er schluckt sie, zersetzt sie und scheidet Sitzfleisch aus. Vega verspricht der FIFA eine neue Richtung. Infantino versprach 2016, ihr Ansehen wiederherzustellen.
Als Vermögensverwalter weiß Vega, dass man eine Bank nicht saniert, indem man den Chef auswechselt und den Aufsichtsräten ihre Beratermandate lässt. Die FIFA nutzt in Zürich das großzügige Schweizer Vereinsrecht, nicht die Schweizer Verfassung. Die Schweiz hat sich 1848 den starken Mann verboten: sieben gleichberechtigte Regierungsmitglieder, ein jährlich wechselnder Vorsitz, den niemand zwei Jahre in Folge innehaben darf. Kein Gremium kann dort die Spielregeln allein umdeuten: Jede Verfassungsänderung braucht die Mehrheit von Volk und Kantonen, den 26 Gliedstaaten. Selbst die Höchstsätze der direkten Bundessteuer und der Mehrwertsteuer stehen in der Verfassung. In der Schweiz bestimmen die Wähler, was die Zentrale bekommt. In der FIFA bestimmt die Zentrale, was die Wähler bekommen. Wer Retter braucht, hat seine Verfassung verpfuscht.
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